Alternative Wirtschaftsmodelle leben

Der hamburger Getränkehersteller Premium Cola macht viele Dinge bewusst nicht so, wie sie im Lehrbuch der Betriebswirtschaft stehen – und hat trotzdem nachhaltig Erfolg. Das Unternehmen verzichtet auf Gewinne, ist basisdemokratisch organisiert und schließt keine Verträge mit Geschäftspartnern ab – und das aus Nachhaltigkeits-Sicht durchaus stichhaltigen Argumenten.

Das konventionelle Bild eines Unternehmers ist das eines gewinnorientierten Menschen, der/die in der Unternehmenshierarchie eine Menge »Untergebener« hat, Risiken eingeht und daran prächtig verdient. Wo die Idee nicht gut genug ist oder nicht effizient genug gewirtschaftet wird, landen UnternehmerInnen in der Pleite. Dass es ein anderes Bild vom Wirtschaften gibt, das noch dazu gut funktioniert, haben die wenigsten im Blick. Die Philosophie von Premium Cola hinterfragt dabei kritisch Fehlanreize des kapitalistischen Systems und zeigt, dass andere Ansätze durchaus möglich und aus Nachhaltigkeits-Perspektive auch sinnvoll sind.

Gewinn als schlechtes Zeichen

In puncto Einnahmen und Ausgaben ist das Ziel des Unternehmens die schwarze Null. Das bedeutet, dass alle Kosten gedeckt und alle Beteiligten bezahlt sind und eine Rücklage von einem Cent pro Flasche für schlechte Zeiten getätigt wird. Mehr soll es nicht sein, denn das »mehr« würde bedeuten, dass entweder Lieferanten um Preise gedrückt werden, Kunden zu viel bezahlen, oder MitarbeiterInnen zu wenig Entlohnung erhalten – und das, nur damit der Anteil der Geschäftsführung steigt. Der Lohn für MitarbeiterInnen des Unternehmens ist dabei ein weiterer Ausdruck davon, dass Hierarchien fehl am Platz sind. Alle Angestellten, egal in welcher Position, erhalten einen Bruttolohn von 20 Euro pro Stunde, auch die Gründer. Die Höhe des Lohns wurde gemeinsam bestimmt, für MitarbeiterInnen mit Kindern oder Menschen mit Behinderungen gibt es Zuschläge. Auf diese Weise sollen kapitalistische Fehlanreize hinterfragt werden: brauche ich immer höheres Einkommen? Wenn ja, wofür?

Dass die schwarze Null gehalten wird, ist für das Unternehmen ein Zeichen dafür, dass es alles richtig macht. Gründe dafür, weiter zu wachsen, sieht niemand. Zwar könnte Wachstum durch Internationalisierung forciert werden, Interesse aus anderen Märkten bestünde durchaus. Das würde jedoch bedeuten, dass sich die Öko Bilanz des Unternehmens durch das verschiffen der Kisten um ein Vielfaches verschlechtern würde. Das Ziel ist stattdessen, moderat zu wachsen, und zwar nicht auf Grund von Gewinnstreben, sondern um Menschen Arbeitsplätze zu bieten und das Modell für Außenstehende interessant zu machen.

Konsens ja, Verträge nein

Ein weiteres Merkmal, das man in anderen Unternehmen vermutlich länger suchen muss, ist Premiums Ansatz der Konsensdemokratie. Hier zählt der Gedanke, dass alle am Unternehmen Beteiligten gleichberechtigte Menschen sind. Jede/r hat also die Möglichkeit, bei Entscheidungen ein Veto einzulegen, das den Prozess stoppt. Dadurch prägt Premium eine Kultur, bei der es darum geht, gemeinsam weiterzukommen, sodass idealerweise niemand von dieser Macht Gebrauch machen muss. Auch im Umgang mit Geschäftspartnern hat sich dieser Ansatz als durchaus erfolgreich entpuppt. Das Unternehmen zählt insgesamt 1.680 Partner und mit keinem davon gibt es schriftliche Verträge. Rechtsstreitigkeiten blieben bis heute jedoch aus. Stattdessen bauen die Beziehungen auf Vertrauen, Gemeinschaftlichkeit und Mitbestimmung auf, ohne direktiv vorzugeben, wo es hinzugehen hat. Regelmäßige Kommunikation ist dabei natürlich unerlässlich, weshalb neben persönlichen Treffen Entscheidungen auch über Email getroffen werden.

Wenn nicht Gewinn, was dann?

Das Ziel von Premium ist schnell zusammengefasst: menschlicheres Zusammenarbeiten. Für das Unternehmen setzt die aktuelle Wirtschaftsordnung die falschen Anreize, was weltweit in Überproduktion, Ressourcenknappheit, Klimawandel und Ausbeutung resultiert. Am Ende sollen sich alle fair behandelt fühlen: das Organisations-Team, die Abfüller, die Getränkelieferanten, die Händler, die Gastronomen und alle Kunden, die sich engagieren. Dabei zeigt sich schon an den Produkten des Unternehmens, dass alternative Wege möglich sind – natürlich ließe sich darüber diskutieren, ob die Welt Cola braucht. Durch Premiums Ansatz zeigt sich jedoch, dass selbst die Produktion eines Kapitalismusgetränks wie Cola andere Wirtschaftsformen zulässt.