Werte kommunizieren, Talente gewinnen

ArbeitgeberInnen aufgepasst: Wer Gen Z und Millennials begeistern will, muss heute mehr bieten als Karrierechancen – nämlich Haltung.

Hanna Stimpfl

Über 23.000 junge Menschen aus 44 Ländern hat Deloitte 2025 befragt, und die Ergebnisse zeigen ein klares Bild: Generation Z und Millennials wollen mehr als Gehalt, Aufstieg oder flexible Arbeitsmodelle. Sie wünschen sich ArbeitgeberInnen, die ihre Werte teilen. Ganz oben auf der Liste: echte Nachhaltigkeit und Sinnhaftigkeit im Job.

 

Kurzer Überblick: Wer ist wer?

 

Millennials und Generation Z stellen spätestens ab 2030 den Großteil der globalen Arbeitskräfte. Schon heute prägen sie die Kultur in vielen Unternehmen. Während frühere Generationen Karriereleiter, Statussymbole und Sicherheit in den Vordergrund stellten, fordern junge Talente etwas anderes: Authentizität, Verantwortung und eine spürbare Wirkung der eigenen Arbeit.

Dieses veränderte Mindset hängt eng mit den Herausforderungen zusammen, die ihre Jugend geprägt haben: die Klimakrise, soziale Ungleichheit, digitale Vernetzung. Für sie ist Arbeit nicht nur Mittel zum Zweck, sondern Teil der persönlichen Identität.

 

Nachhaltigkeit ist kein Nice-to-have sondern ein Must-have

Junge Menschen leben zunehmend umweltbewusst und sie erwarten dasselbe von ihren ArbeitgeberInnen. Der Deloitte-Report zeigt:

 

  • 70 % der Gen Z und Millennials halten die Umweltversprechen bzw. die Umweltpolitik eines Unternehmens für sehr oder einigermaßen wichtig, wenn sie einen potenziellen Arbeitgeber bewerten.
  • 23 % der Gen Z und 22 Prozent der Millennials haben sich vor einer Jobzusage über die Umweltbilanz oder die Umweltpolitik eines Unternehmens informiert.
  • 15 % der Gen Z und 13 Prozent der Millennials haben bereits den Job gewechselt, weil sie Bedenken wegen der Umweltwirkung ihres Arbeitgebers hatten.
  • 48 % der Gen Z und 47 Prozent der Millennials übten bereits aktiv Druck auf ihren ArbeitgeberInnen aus, damit dieser mehr für den Umweltschutz unternimmt.

Diese Generationen recherchieren, vergleichen und entscheiden bewusst. Wer hier Greenwashing betreibt, fliegt schnell auf. Lippenbekenntnisse reichen nicht mehr. Was zählt, sind klare Werte und darin verankerte Handlungen, Transparenz und gegebenenfalls auch übergeordnete Strategien. Unternehmen, die das liefern, gewinnen Vertrauen und Talente. Auch mittelständische Unternehmen können häufig bei diesen Themen punkten.
 

Und was ist mit „Purpose“?

Nachhaltigkeit ist Teil von etwas Größerem: dem Wunsch nach einem sinnstiftenden Arbeitsleben. Für viele junge Menschen ist der Beruf ein zentraler Bestsandteil ihrer Identität und ein Ort, an dem sie positive Wirkung entfalten wollen.

Was „Purpose“ im Job für junge Menschen wirklich heißt:

  • Sich mit dem, was man tut, identifizieren können – der Job fühlt sich sinnvoll an, nicht leer oder beliebig
  • In einem Unternehmen arbeiten, das die eigenen Werte teilt – z. B. in Sachen Nachhaltigkeit, Diversität oder sozialem Engagement
  • Das Gefühl haben, etwas Positives zu bewirken – sei es für das Team, das Produkt oder die Gesellschaft

89 Prozent der Generation Z und 92 Prozent der Millennials betrachten einen Sinn in ihrer Arbeit als sehr oder zumindest einigermaßen wichtig für ihre Arbeitszufriedenheit und ihr Wohlbefinden. Fehlt dieses Gefühl von Sinn, sind viele bereit, sich anderweitig umzusehen: 44 Prozent der Gen Z und 45 Prozent der Millennials haben bereits eine Stelle verlassen, weil sie dort keinen Sinn erkannt haben.

Purpose bedeutet dabei nicht zwangsläufig „die Welt retten“. Aber es muss sich richtig anfühlen, authentisch sein und einen erkennbaren Beitrag leisten.
 

Was Unternehmen jetzt verstehen müssen

Viele Führungskräfte glauben, sie tun genug. Doch die Wahrnehmung junger Mitarbeitenden ist eine andere. Nur knapp die Hälfte der Befragten meint, dass Unternehmen wirklich ausreichend handeln, um die Umwelt zu schützen.

Was das konkret für ArbeitgeberInnen bedeutet:

  • Transparenz zählt: Junge Bewerberinnen und Bewerber recherchieren. Unklare oder schwache Aussagen zu Nachhaltigkeit sind ein Risiko.
  • Handeln statt nur kommunizieren: Strategien, Zertifizierungen, konkrete Maßnahmen – sichtbar und überprüfbar.
  • Purpose greifbar machen: Nicht jedes Unternehmen verändert die Welt, aber jedes kann zeigen, warum die eigene Arbeit wichtig ist.
  • Mitarbeitende beteiligen: Die neue Generation will mitgestalten. Beteiligung an Nachhaltigkeitsinitiativen wirkt identitätsstiftend und bindet.
  • Werte leben und sichtbar machen: Von der Kantine bis zur Dienstreise – die kleinen Dinge zählen, wenn es um Glaubwürdigkeit geht.

 

Die besondere Chance für KMU

Gerade für kleine und mittlere Unternehmen kann das eine Chance sein. Auch wenn sie im Gehaltswettbewerb nicht immer mit großen Konzernen mithalten können, haben KMU klare Stärken. Sie stehen näher an ihren Mitarbeitenden, arbeiten mit flachen Hierarchien und können nachhaltige Initiativen schneller und glaubwürdiger umsetzen. Während Konzerne oft von langen Entscheidungswegen und komplexen Strukturen gebremst werden, sind KMU in der Lage, unmittelbar zu reagieren, Neues zu erproben und Veränderungen sichtbar zu machen. Ein regionales Beschaffungsnetzwerk, klimafreundliche Mobilitätskonzepte oder eine gelebte Kreislaufwirtschaft lassen sich in kleineren Organisationen häufig leichter realisieren als in globalen Unternehmensstrukturen. Das kann im Wettbewerb um Talente zu einem echten Vorteil werden, wenn diese Potenziale bewusst genutzt werden.

Besonders sichtbar wird dies in der sozialen Dimension der Nachhaltigkeit. Faire Löhne, Weiterbildungsmöglichkeiten, Work-Life-Balance, Gesundheitsschutz, Diversität und Chancengleichheit sind Themen, die Mitarbeitende direkt erleben. Während Konzerne dafür oftmals aufwendige Programme aufsetzen, leben viele Mittelständler diese Werte längst und das auf eine sehr authentische Weise. Sie kennen ihre Mitarbeitenden persönlich, unterstützen bei familiären Herausforderungen und schaffen langfristige Perspektiven. Viele Unternehmen im Mittelstand engagieren sich zudem stark in ihrer Region, bilden aus und übernehmen soziale Verantwortung.

Oftmals bleibt dieses Engagement jedoch unsichtbar, weil es nicht strategisch verankert oder kommuniziert wird. Genau hier liegt eine große Chance: Wenn KMU ihre gewachsenen Werte bewusst in eine Nachhaltigkeitsstrategie überführen und professionell nach außen tragen, können sie ihre Attraktivität für die junge Generation deutlich steigern.
 

Fazit

Gen Z und Millennials verändern die Arbeitswelt – leise, aber konsequent. Wer sie halten will, muss mitgehen: Werte statt Worthülsen, Haltung statt Hochglanzbroschüren. Nachhaltigkeit ist für sie kein Trend, sondern ein Kriterium. Purpose ist kein Extra, sondern Basis für Motivation, Bindung und langfristigen Unternehmenserfolg. Und gerade für kleine und mittlere Unternehmen gilt: Wer authentisch zeigt, wofür er steht, kann im Wettbewerb um Talente viel gewinnen, nicht über Gehalt, sondern über Glaubwürdigkeit.